Zigarrenhändler aus Berlin besichtigen Plasencia Cigars SA

Auf nach Nicaragua! Wir alle haben einen Zigarrenladen in Berlin oder Magdeburg und freuen uns nun auf eine Woche Zigarrenurlaub in Nicaragua. Der der Ankunft in Managua geht es bald weiter nach Estelí, dem Ort, der seit vielen Jahren alle Aufmerksamkeit der Zigarrenhersteller auf sich zieht. Es ist wirklich erstaunlich, was hier entstanden ist.

Zunächst beginnt Tag 1 in Nicaragua mit einer Alec Bradley Post Embargo Zigarre. Mittelkräftige Aromen von edlen Hölzern und Walnüssen nehmen mich in Empfang. Das Geschmackserlebnis geht aufregend weiter, wird aber später auf der Fahrt zu Nestor Plasencia unterbrochen.

Zigarren - Händler aus Berlin in Nicaragua
Zigarren – Händler aus Berlin in Nicaragua

Dank Zigarrenladen in Berlin nach Nicaragua gekommen

Ohne Zweifel haben wir es unserem Zigarrenladen in Berlin zu verdanken, dass wir eingeladen von der Wolfertz GmbH nach Nicaragua gekommen sind. Uns allen ist aber auch klar, dass die drei Tage in Estelí harte Arbeit bedeuten. In der Manufaktur von Nestor Plancencia S.A. lernen wir alles über die lange Familientradition „The dream that became a legend“ der Unternehmer.

Eine riesige, etwa acht Meter lange Karte mit Mittelamerika, der Karibik und dem nördlichen Teil Südamerikas hängt hierzu an der Wand. Es begann alles mit Sixto Plancencia Juarez, der in 2. Generation auf Kuba in Saint Luis (Pinar del Río) bereits 1898 Tabak anbaute.

Im Trockenschuppen bei Plasencia Zigarren
Im Trockenschuppen bei Plasencia Zigarren

Rasenmäher und Torf für Widerstandsfähigkeit der Tabaksetzlinge

Draußen auf den Feldern sehen wir unter Zeltdächern geschützt die Reste der Setzlinge. Die meisten sind bereits auf den Feldern ausgebracht, einige mickrige Pflänzchen sind hier aber noch zu finden. Ernesto Plasencia Jr. Erklärt uns, warum man die Setzlinge auf Torf und Asche pflanzt und mit einem Rasenmäher maltraktiert. So werden die Pflanzen auf das harte Leben auf dem Feld optimal vorbereitet. Insgesamt arbeitet man bei Plasencia mit 200.000 bis 250.000 Setzlingen pro Jahr.

Außerdem zeigt man uns, wie man bei Plasencia (man kann diese Zigarren in Berlin kaufen) mit speziellen Geräten die Feuchtigkeit im Boden misst, neben der Pflanze und in 25 cm Tiefe, wo wir circa 84% relative Feuchte erreichen. So wissen die Mitarbeiter genau, wann das automatische Befeuchtungssystem angeworfen werden muss.

Zigarren Berlin - Händler aus Berlin in Nicaragua
Zigarren Berlin – Händler aus Berlin in Nicaragua

Man experimentiert bei Plasencia Cigars S.A. mit Hybriden also neuen Samenzüchtungen. Hierzu lässt man die Tabakpflanzen ausblühen, um neue Kreationen zu schaffen. Wir Händler aus Berlin sehen wie Tabakpflanzen im Schatten gezogen werden und lernen, wie weich sich so ein Blatt anfühlt.

Nach der Besichtigung von weiteren Feldern und Trockenschuppen geht es zurück in die Manufaktur, wo uns ein köstliches Buffet erwartet. Besser hätte die Zigarrenreise nach Nicaragua für uns Berliner und Magdeburger nicht starten können!

AJ Fernandez Zigarren

AJ Fernandez S.A. steht an diesem Tag auf dem Programm: Dieses ist straff und spontan – die Gruppe Berliner Händler darf heute mehrere Plantagen in unterschiedlichen Erntezuständen und Tabaksorten besichtigen, Trockenschuppen mit ganz speziellen Methoden (höhere Feuchtigkeit und Zedernholzräucherung) kennenlernen, Setzlinge analysieren, die Manufaktur begutachten und sogar Einblick in eine große Kistenfabrikation erhalten.

Bereits am Rande der ersten Plantage erklärt und Abdel Joseph Fernandez sein Motto: Er möchte keine kräftigen Zigarren herstellen. Sein Ziel ist es, dem Aficionado eine breite Aromenvielfalt zur Verfügung zu stellen. Vielschichtigkeit nennt man das im Fachjargon.

AJ Fernandez vor leerem Tabakfeld
AJ Fernandez vor leerem Tabakfeld

Wir sehen, wie eine Plantage „abgeholzt“ wird. Stängel werden eingesammelt, gehächselt und später wieder als Dünger verwendet. Danach geht es zu den gigantischen Trockenschuppen, die hier Dimensionen erreichen, von denen die Tabakbauern in Pinár del Río auf Kuba nur träumen können.

Zigarrenhändler aus Berlin zu Besuch bei Abdel Joseph Fernandez

Wir Zigarrenhändler aus Berlin lernen viel für die Trocknungsmethoden der frisch geernteten Tabakblätter. Der Trocknungsprozess weist hier nämlich mehrere Besonderheiten auf:

1. Der gigantische Trockenschuppen ist vorne mit ganz frischen, grünen Blättern bis an die Decke gefüllt. Die grünen Blätter wandern stetig weiter nach hinten und verlassen schließlich den Schuppen am anderen Ende in getrockneter Form.

2. In der Mitte des Schuppens werden Zedernholzfeuer abgebrannt.

3. Man hält die Feuchtigkeit hier höher als bei anderen Schuppen.

Trockenschuppen AJ Fernandez Zigarren
Trockenschuppen AJ Fernandez Zigarren

Abdel Fernandez erklärt den Berlinern, wie er Deckblätter noch seidiger und öliger kriegt: Man streut als Dünger Maní-Samen aus, eine Nussart, die unter anderem in Nicaragua vorkommt.

Danach geht es weiter in die großen Fermentationshallen für AJ Fernandez Zigarren. Es riecht hier so stark nach Ammoniak, dass man kaum einatmen kann. Trotz des beißenden Geruchs, arbeiten in diesen Hallen einige Mitarbeiter den ganzen Tag über. Nur ganz vereinzelt tragen die Arbeiter einen Atemschutz.

Fermentation bei hoher Luftfeuchte bei AJ Fernandez
Fermentation bei hoher Luftfeuchte bei AJ Fernandez

Längere Fermentation bei hoher Luftfeuchte als Besonderheit bei AJ Fernandez

Wie wir gleich feststellen, unterscheidet sich der Fermentationsprozess ebenfalls von dem anderer Hersteller:

1. Man fermentiert bei sehr hoher Luftfeuchte im Raum und muss so nicht einzelne Blätter immer wieder besprühen.

2. Man entrippt nicht sofort. Die Hauptvene enthält nämlich viele Aromen, die laut AJ Fernandez noch während des Fermentationsprozesses Aroma an das dünne Blatt abgeben.

3. Man fermentiert im ersten Schritt extrem lange (15 – 18 Monate). Die Dauer von der ersten Fermentation bis hin zum Lagerende dauert 3 – 5 Jahre und für Spezialitäten teilweise noch länger, bis die Tabake schließlich zur Zigarre verarbeitet werden.

4. Man lässt Seco, Viso und Ligero einer Tabaksorte und Plantage auf einem Ballen gemeinsam durchfermentieren.

5. Man sortiert nicht nur nach Tabaksorte und Seco, Viso und Ligero, sondern auch nach Plantage, da sich die Böden unterscheiden und jeder Boden andere Aromen an die Pflanzen abgeben. Uns erinnert das an den Weinanbau – das aus Frankreich stammende Terroir-Prinzip…

Lesen Sie hier online mehr zu unserem Besuch bei Plasencia Zigarren in Nicaragua. Erstaunlich wie innovativ das mittelamerikanische Unternehmen arbeitet!